Jul 30
Online-Reputation-Management: Warum Imagepflege im Internet so wichtig ist
Kaum ein HR-Manager stellt heute noch ein, ohne Bewerber vorher im Internet überprüft zu haben. Weil Online-Reputation längst ein entscheidender Faktor auf dem Arbeitsmarkt ist, steigt auch die Gefahr von digitalem Rufmord. Wir verraten, wie man sich wehrt.
Stefan Winter ahnte nichts Böses: Er hatte einen hervorragenden Leumund, exzellente Referenzen und eine Vita, die eigentlich alle Erwartungen erfüllen sollte. Also bewarb er sich auf interessante Stellenanzeigen und reichte seine Unterlagen bei renommierten Personalberatungen ein. Die ersten Wochen verstrichen ohne Resonanz – ganz im Gegenteil: Es hagelte eine Absage nach der anderen. Hatte er sich derartig verschätzt, was die Übereinstimmung seiner Fähigkeiten mit den Anforderungen in den Stellenausschreibungen betraf? Er griff zum Hörer und telefonierte mit einigen seiner Ansprechpartner. Alle versicherten ihm die nötige Kompetenz und Eignung, bis einer schließlich fragte: „Haben Sie Ihren Namen schon mal gegoogelt?“ Irritiert folgte Stefan Winter diesem Hinweis und überlegte nur wenig später, ob er jetzt die Polizei, einen Privatdetektiv oder am Besten beide gleichzeitig anrufen sollte.
Natürlich ist diese Geschichte frei erfunden. Immer mehr HR-Manager aber berichten bei der Überprüfung von Bewerbern im Internet tatsächlich von erschreckenden Funden. Fotos von Menschen in allen möglichen, vor allem aber unmöglichen Situationen. Ob es wirklich der Bewerber selber ist, der da mit einer wenig bekleideten Blondine oder einer Armada leerer Bierflaschen vor der Kamera posiert, ist für den Personalreferenten, der die Bewerbungsmappe liest und den Namen googelt, schwer zu erkennen. Genauso wenig, ob es sich bei Blog- und Foreneinträgen fernab jeglicher political correctness um Meinungsäußerungen eines Namensvetters oder um die des Bewerbers handelt. Im Bewerbungsgespräch könnte sich der Betroffene von den Netzinhalten distanzieren, doch: Er wird oftmals gar nicht mehr eingeladen.
Laut Bundesverbraucherschutzministerium nutzen fast 80 % aller Unternehmen das Internet schon vor der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zur Überprüfung von Bewerbern; ein Viertel von Ihnen hat Kandidaten wegen einschlägiger Informationen aus dem Internet bereits einmal oder mehrmals abgelehnt. Viele Internetuser vergessen: Was sie einmal ins Netz stellen, ist oft für immer gespeichert, lässt sich nicht mehr löschen und kann in völlig falschem Kontext immer wieder auftauchen. Nicht immer aber ist der Bewerber selber Schuld an dem, was im Internet über ihn verbreitet wird. Wenn andere Menschen anfangen, unter fremden Namen unwahre oder beleidigende Informationen zu generieren, wird es kriminell. Noch nie war es so einfach, jemandes Ruf zu schädigen wie heute. Und auch dafür gibt es schon einen Namen: Rufmord 2.0. Was aber tun gegen unliebsame und vor allem falsche Informationen im Internet? Hier ein paar Tipps und Praktiken.
Lernen Sie Ihren Datenschatten kennen:
Googeln Sie Ihren Namen zu unterschiedlichen Zeiten und machen Sie sich ein Bild von Ihrer Online-Reputation. Analysieren Sie alle Einträge nach solchen, die Sie – und vor allem Andere – mit einem Schmunzeln quittieren können und solchen, die Ihnen schaden könnten. Gibt es möglicherweise Hinweise auf Personen, die gezielt Ihren Namen benutzen, um Sie zu diffamieren?
Werden Sie aktiv:
Erstatten Sie bei Einträgen, die den strafrechtlichen Tatbestand der Beleidigung, üblen Nachrede oder Verleumdung nach §§ 185ff. StGB erfüllen, Anzeige gegen unbekannt oder – wenn Sie eine entsprechende ladungsfähige Adresse finden – direkt gegen den Täter oder Betreiber der Website. Meist genügt aber auch eine Email in deutlicher Sprache an den Verfasser oder Webmaster. Eine gerichtliche Durchsetzung wird meist schwierig und endet häufig mit dem Statement: „Es handelt sich hierbei um eine amerikanische Homepage.“ Diese haben bekanntlich andere Rechte und eine lockere Auffassung von freier Meinungsäußerung.
Bleiben Sie auf dem Laufenden! Richten Sie einen Google-Alert auf Ihren Namen ein. Sie werden per E-Mail informiert, wenn dort ein neuer Eintrag in Bezug auf Ihren Namen erfolgt.
Lassen Sie unliebsame Daten und Einträge löschen:
Hierfür gibt es sogenannte Reputation Defender. Das sind Internetfachleute, die mit speziellen Programmen die Spur Ihres Datenschattens zurückverfolgen und an den Verbreitungsknoten und der Quelle eine Blockierung erstellen. Das gelingt zwar nicht immer, vermindert aber die Verbreitung deutlich.
Vorsicht mit persönlichen Daten im Internet:
Gehen Sie zurückhaltender mit der Eingabe von persönlichen Daten um und passen Sie auf, wo Sie zukünftig die Häkchen setzen: Ohne dass man es merkt, hat man schnell die Einwilligung für die Verwendung – und damit für die ungezügelte Verbreitung – seiner Daten gegeben.
Gestalten Sie Ihr Bild in der Internet-Öffentlichkeit aktiv:
Produzieren Sie positive Nachrichten mit den richtigen Wörtern und Wortkombinationen – sogenannten keywords – damit diese von Google & Co ganz nach oben gestellt werden und unerwünschte Nachrichten im Ranking verdrängt werden. Wer in seinem Lebenslauf über soziales Engagement in der Kirche oder dem Sportverein schreibt, hat die Chance, es auf diesem Wege auch zu beweisen. Das klingt vielleicht nach Manipulation, ist aber in Wahrheit nur eine Richtigstellung anderer Manipulationen.
Online-Reputation-Management ist die Beobachtung und bewusste Steuerung des eigenen Onlineprofils. Eine Selbstverständlichkeit für alle, die sich schon immer mit ihrer Wirkung in den traditionellen Medien auseinandergesetzt haben. Eine Neuheit für alle anderen. Und im Arbeitsmarkt 2.0 eine Notwendigkeit, an der kein Weg mehr vorbei führt. (Autor: Hans-Rainer Pohl)

