Jul 30

Interview mit Professor Wolfgang Mewes, Begründer der Engpasskonzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie (EKS®) Ein Außenseiter auf Erfolgskurs

Beitrag drucken Beitrag drucken Kategorie: Aktuelles,Wissenp.sauer-wolfgramm @ 10:44

Ehrung Professor Mewes

Konzentration auf die Kernkompetenzen – Arbeitnehmer müssen in Krisenzeiten herausarbeiten, warum gerade sie als Arbeitskraft gebraucht werden. Aber auch die Personaler müssen umdenken, sagt Professor Wolfgang Mewes, Erfinder der Engpasskonzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie (EKS®). Für seine Ideen wurde er lange Zeit kritisiert. Doch das ist Vergangenheit. Im April erhielt er für sein Lebenswerk den Life-Achievement-Award der Weiterbildungsbranche.-more->


OPN:

Viele Personaler müssen in Krisenzeiten mit begrenzter Arbeitskraft wirtschaften. Was tun, damit die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens nicht leidet?

Prof. Mewes:

Die Personaler sind zurzeit wichtiger denn je, denn die Entwicklung der Mitarbeiter ist im Moment fast wichtiger als die Entwicklung des Kapitals. Aus diesem Grund halte ich Personalabbau auch für falsch. Da werden Mitarbeiter entlassen, um Kosten zu senken, obwohl gerade jetzt ein großer Innovationsdruck etwa in den technischen Bereichen herrscht. Für Innovationen aber brauche ich die richtigen Mitarbeiter, ohne sie riskiere ich die Zukunft des Unternehmens.

Wenn es aber ohne Personalabbau gar nicht mehr geht, muss sich jeder gute Personaler fragen: Wie kann ich mit begrenzter Arbeitskraft den größten Nutzen entwickeln? Er sollte seine Mitarbeiter immer nach ihrem zu erwartenden Nutzen für das Unternehmen auswählen, das ist ja einer der Kernpunkte der Engpasskonzentrierten Verhaltens- und Führungsstrategie (EKS). Habe ich diesen Nutzen erst mal genau definiert, kann ich am Ende sogar mit verringerten Kräften größere Kraft entfalten.

OPN:

Das ist manchmal gar nicht so einfach. Gerade bei Neubewerbern kämpfen viele Personaler mit einer Flut von Bewerbungen, die sich kaum oder wenig voneinander unterscheiden…

Prof. Mewes:

Das gilt doch meistens nur für die äußere Form. Wenn ich aber ganz genau definiert habe: Welches Kompetenzprofil suche ich für mein Unternehmen? Dann sehe ich relativ schnell, welcher Bewerber sich eignet und welcher nicht.

OPN:

Was heißt das für den Bewerber?

Prof. Mewes:

Er muss zum nützlichsten aller Bewerber werden und sich dafür seiner Kernkompetenz bewusst werden. Wenn ich diese Kernkompetenz erst mal kenne, kann ich mich ganz gezielt auf jene Stellen bewerben, die zu mir passen. Kernkompetenz ist also das Stichwort. Und im Grunde muss die schon in der Schule gefördert werden, wo Lehrer ganz gezielt die persönlichen Stärken jedes Schülers erkennen und entwickeln sollten. Kernkompetenz heißt übrigens nicht, mich so überzuspezialisieren, dass ich am Ende nur noch für eine kleine Nische im Markt geeignet bin. Und eines noch: Bin ich mir meiner Kernkompetenz bewusst und bewerbe mich entsprechend, bekomme ich am Ende nicht nur den Job, den ich am besten kann, sondern einen, der mir auch Spaß macht, weil ich nicht gegen meine Schwächen agieren muss.

OPN:

Genauso macht es die SKP AG ja bei ihren Outplacementberatungen…

Prof. Mewes:

Genau. Aber das ist ja auch kein Wunder: Der Gründer der SKP AG, Dr. Fritz Stoebe, kam vor vielen Jahren zu mir und hat einen meiner Kurse belegt. Er war damals 56 und hatte jahrelang erfolgreich als Vorstand eines Familienbetriebs gearbeitet, dann aber seinen Job verloren. Nun machte er die Erfahrung, dass der Wiedereinstieg für ältere Spitzenkräfte wesentlich schwerer ist, als er sich das vorgestellt hatte. In meinem Kurs hat er sich dann gefragt: Was ist meine spezielle Stärke im Gegensatz zu anderen Topmanagern? Es war die Erfahrung zu wissen, welche Probleme ältere Spitzenkräfte beim Jobwechsel haben. Am Ende hat er genau dieses Spezialwissen zu seinem Erfolgskonzept gemacht, die Outplacementberatung erfunden und die SPK AG gegründet. Das war vor mehr als 30 Jahren und es freut mich, dass ich der SKP AG 2009 zum 30-jährigen Bestehen gratulieren durfte.

OPN:

Was bedeutet es Ihnen, dass Ihre Lebensleistung nun mit dem Life-Achievement-Award geehrt worden ist?

Prof. Mewes:

Es ist für mich die Bestätigung meiner 60-jährigen Tätigkeit, die eigentlich immer die Arbeit eines Außenseiters war. Lange Zeit wurde ich für meine Theorie kritisiert. Spätestens seit der Wirtschaftskrise sehen viele meine Arbeit auf einmal aus einer völlig anderen Perspektive. Es fällt eben auf, dass viele Unternehmen, die nach meinen Theorien gewirtschaftet haben, auch in der Krise erfolgreich sind. Die reine Gewinnmaximierung, auf die alle programmiert worden sind, war ganz einfach falsch. Am erfolgreichsten sind auf die Dauer nicht jene Unternehmen, die sich am Gewinn orientieren, sondern jene, deren Ziel es ist, den Nutzwert für die Mitwelt zu erhöhen. Waren werden am Ende nur gekauft, wenn die Kunden einen Nutzen davon haben. Also muss sich ein Wirtschaftssystem danach ausrichten: Dann kommt der Gewinn ganz von selbst. Der Preis ist also ein Stück weit eine Genugtuung. Mit 85 Jahren hat man sich andererseits auch eine gewisse Gelassenheit erworben.

OPN:

Kann man mit dieser Gelassenheit auch über Fehler sprechen?

Prof. Mewes:

Natürlich. Die hat es sicherlich gegeben. Wenn man das Konzept der Kernkompetenz oder Spezialisierung verfolgt, kann es natürlich auch passieren, dass man sich auf den falschen Bereich und damit am Markt vorbei spezialisiert. Das habe ich in meinen Seminaren anfangs sicherlich ein Stück weit übersehen. Es ist deshalb immer wichtig, nie die Rückkopplung zu den Kunden zu verlieren und zu fragen: Bin ich mit meinem Produkt auf dem richtigen Weg? Für die EKS gilt das ganz genauso. Ich habe sie im Laufe der Jahre durch Rückmeldungen von meinen Kunden und ihren Unternehmen immer weiter verfeinert und viele nützliche Hinweise aufgenommen.

Vielen dank für das freundliche Interview.